Der alte Büffel und die junge Haut – Teil 1

Es begab sich zu der Zeit, als der alte Häuptling in dem Alter war, dass seine Kinder ausgewachsen und sie wiederum auch schon Kinder hatten. Der Häuptling, der von allen nur "Büffel" genannt wurde, bemerkte in dieser Zeit immer mehr, dass die jungen Kühe nicht mehr so viel Interesse an ihm zeigten, wie früher.

Er wusste, das war auch seinem Vater so gegangen, der mittlerweile ein alter Mann mit hellem Haar war und nur noch selten in die Prärie hinaus ritt, um zu kontrollieren, ob die Sonne noch ordnungsgemäß auf- und unterging.

Also überlegte Büffel, der aber immer noch mit den jungen Rindern um die Wette rennen konnte, wie er sich bei den Kühen trotz seines Alters wieder interessant machen konnte. Er hatte schon gehört, dass Kleider Leute machen sollen und wollte dies auch ausprobieren. Aber er dachte dabei weiter als die meisten und beschloss für sich, man müsse sich auch anfühlen wie ein Jungbulle und vielleicht auch genauso gut riechen.

Da kam ihm eines Tages die Idee, einem seiner jungen Konkurrenten das Fell über die Ohren zu ziehen und sich daraus eine neue Haut anfertigen zu lassen. Nachdem der blutige Teil erledigt war, bat er seine Frau, die von allen "Wellness aus dem Keller" genannt wurde, ihm ein paar passende Leggins zu nähen.

Nach einigem Hin und Her und vielem Anprobieren hatte ihm "Wellness aus dem Keller" eine ordentliche Hose genäht. Natürlich ohne zu wissen, was "Büffel" damit eigentlich vorhatte. Ihr hatte er nur erzählt, er würde die Hose tragen, um für seinen Stamm einen neue Sommermode zu entwickeln und damit für seine Familie eine neue, bio-dynamische Einnahme­quellen zu erschließen.

Es kam der Tag als "Büffel" zum ersten Mal die neuen Leggins ausprobieren wollte. Früh morgens holte er sein treues Pferd "Bulldog" aus dem Stall und kletterte auf den altersgerecht und ergonomisch angepassten Schwingsattel. Nach anfänglichen, zögerlichen Vorglühen – es war schon recht frisch für die Jahreszeit – machte sich "Bulldog" mit leichtem Schnauben auf den vertrauten Weg.

Der Weg war "Bulldog" bestens bekannt, weil "Büffel" sich mindestens zweimal am Tag auf den Weg machte, um nach seinen Herden zu sehen. Der Weg führte immer von seinem auf einem hohen Berg gelegenen Wigwam in das in Sonnen­richtung liegende Tal, in dem es die saftigsten Weiden gab. Zumindest hatte er das seiner Frau "Wellness aus dem Keller" immer erzählt.

Büffel in Lederhosen


Der alte Büffel und die junge Haut – Teil 2

Auch wenn es ihm mit dem Alter immer schwerer fiel, nahm er den Weg doch gerne auf sich, weil die Squaws des anderen Tales ihn gut leiden konnten und ihn ab und zu mit kleinen Gaben überraschten, wie selbst gebackenes Brot und mit viel Handarbeit hergestellte Wildschweinbutter.

Der "Büffel" hatte allen Leuten im Tal erzählt, wenn seine Mode Erfolg hätte, würden sie künftig alle genug Fleisch zu essen haben. Bis dahin sollten sie gut auf seine Herde aufpassen und Rauchzeichen senden, falls Wölfe oder Bären sein Vieh bedrohten.

Auf das Fleisch freuten sich die Leute aus dem Tal enorm, da sie sich hauptsächlich von den Früchten ihrer Hecken ernährten, was dazu geführt hatte, dass die Gegend landauf und landab als "Brombachtal" bekannt war.

Im "Brombachtal" gab es auch einen Mann, der es meisterlich verstand, aus dem von "Büffel" antransportierten Vieh oder auch von erlegtem Wild hervor­ragende Speisen zu machen. Neben den allseits bekannten Rindswürsten gelingt es ihm immer wieder, geräucherte Speziali­täten herzustellen, die auch nach mehr­tägigem Ritt in der Sommerhitze noch genießbar waren.

Und wenn sich die Büffelherden, den Jahreszeiten folgend, wieder einmal weiter entfernt haben, war man gut beraten, sich etwas von dem Essen in Dosen mit zu nehmen. Nichts ist besser als eine 400 g-Dose Schwartenmagen, wenn man den ganzen Tag den Bisonfährten gefolgt war. Das weiß auch Häuptling "Büffel" auf seinen weiten Trails zu schätzen, weshalb er sich auch fast nie von seinem Multi­funktions-Tomahawk trennt.

Dieser Tomahawk ist schon ein einzigarti­ges Instrument, welches seit Generationen immer an das nächste Oberhaupt der Familie vererbt wird. Man kann damit kleine Bäume fällen, um sich ein Nachtlager aus Stämmen und Zweigen herzurichten oder Holz für das Lagerfeuer zerkleinern.

Mit dem unteren Ende dagegen kann man die Spannung der elektrischen Weide­zäune prüfen, vor allem aber auch besagte Dosen mit Schwartenmagen öffnen.


Der alte Büffel und die junge Haut – Teil 3

Im Heimatdorf von "Büffel" ist es üblich, dass sich das alle Einwohner am Sonntagmorgen zum Palaver unter der großen Eiche treffen. Hier werden dann alle Neuigkeiten ausgetauscht, das Wetter besprochen und über alle hergezogen, die nicht am Palaver teilnehmen.

Vor einigen Wochen begab es sich aber, dass das Palaver von einem plötzlichen Regenguss unterbrochen wurde. Da die alte Eiche seit einem Sturm nur noch einen Teil ihrer ausladenden Äste besitzt, passten nicht alle Dorfbewohner unter ihren Schutz und nass wurden. So ging es auch „Büffel“, der natürlich wie üblich zu solchen Tagen seine neuen Leder-Leggins trug.

Nicht nur, dass der Regen auf seinen Kopf viel und ganz unangenehm auch auf die Stelle, an der sich sein Haar langsam lichtete. Nein auch die von „Wellness aus dem Keller“ haargenau angepasste Leggins bekam den Regen ausreichend zu spüren.

„Büffel“ ahnte bereits nichts Gutes und dirigierte seine nasse Familie eilig in Richtung des heimatlichen Wigwams. Schnell war die nasse Lederhose ausgezogen und sorgfältig neben der Feuerstelle aufgehängt, um hier auf ihre Trocknung zu warten.

Jeden Morgen war es „Büffels“ erste Handlung des Tages, nach dem Feuer zu sehen. Diesmal war es aber nicht „Wellness aus dem Keller“, die ihn wegen des fehlenden warmen Wassers laut schimpfend antrieb, sondern die Sorge um seine geliebten und einzigartigen Leder-Leggins.

Um es kurz zu machen, das wertvolle Beinkleid hatte gelitten. Der Regenguß hatte dafür gesorgt, dass ein erheblicher Schrumpfprozess eingesetzt hatte.

Nach kurzer Überlegung wurden "Büffel" alle Konsequenzen bewusst. Wenn er seine Leder-Leggins weiter tragen wollte, musste er radikal abspecken.

Ihm war klar, dass es allein nicht reichte, auf die leckere Wildschweinbutter zu verzichten. Nein, auch mit der Bequemlichkeit auf dem Rücken von "Bulldog" ging es so nicht weiter.

Eines von diesen modernen eisernen Pferden mit Tret-Antrieb musste her. Damit war man sowieso viel schneller den Berg herab als mit "Bulldog". Berauf kostet es zwar einigen Schweiß – aber was tut man nicht alles der Mode wegen.

Wenn man genau darüber nachdachte, war es auch ein Schritt in Richtung Tierschutz, zumindest aus der Sicht von "Bulldog".

Was die jungen Kühe von einem derart sportlich gestärkten "Büffel" halten, bleibt noch abzuwarten.

... Fortsetzung folgt